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Vitaminbombe

Gesellschaft & Biodiversität

Aus dem Nordosten Brasiliens stammen die Acerola-Kirschen. Symrise verwendet sie nun für ein ganz besonderes Produkt: Das Unternehmen bringt das erste Fairtrade-Acerolapulver auf den Markt, das die Menschen mit natürlichem Vitamin C versorgt – und dazu ist es auch noch bio.

In langen Bahnen stehen die anderthalb bis zweieinhalb Meter hohen und weit ausschlagenden Bäume nebeneinander, dicht an dicht. Hier, im brasilianischen Bundesstaat Ceará, wachsen wegen des heißen Wetters und des vielen Lichts die Acerola-Kirschen besonders gut. Die Erntearbeiter pflücken die Früchte, legen sie vorsichtig in ihre Eimer und sammeln sie anschließend in breiten, hellgrünen Stiegen. Noch am selben Tag werden sie von LKWs in eine wenige Kilometer entfernte Fabrik gefahren. Das ist wichtig, weil das so wertvolle wie empfindliche Gut sonst schnell verdirbt. In dem Werk wird das Obst zu Saft verarbeitet, der anschließend schonend konzentriert und in großen Gebinden nach Frankreich transportiert wird. Im Diana Food-Werk im bretonischen Antrain – nur wenige Kilometer von der Touristenattraktion Le Mont-Saint-Michel entfernt – wird das Saftkonzentrat schließlich in einer Sprühtrocknungsanlage zu einem hoch aromatischen Pulver weiterverarbeitet.

Der Aufwand lohnt sich, denn es geht um einen wichtigen und ebenso wertvollen Inhaltsstoff der Acerola-Kirsche. Sie gilt als Frucht mit dem höchsten Vitamin-C-Gehalt überhaupt. Im Saft der leicht saueren Steinfrucht steckt bis zu 50 Mal so viel Vitamin C wie in einer Zitrone – je nachdem, wo die Kirsche angebaut wird. In Ceará sind es zwischen 2.000 und 3.000 Milligramm pro 100 Gramm Frucht. Außerdem enthält sie Mineralien wie Kalium, Kalzium oder Magnesium und sekundäre Pflanzenstoffe wie Flavonoide, Pektine oder Anthocyane. Diese bunte Mischung zeigt große Effekte: Acerola wirkt zum Beispiel antioxidierend und zellverjüngend, weil es den Stoffwechsel ankurbelt.

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Die Acerola-Plantagen erstrecken sich oft über mehrere Kilometer.

Natürlich besser

Den Vitamin-Boost machen sich viele Menschen zunutze, indem sie Nahrungsergänzungsmittel zu sich nehmen, die auf Acerola basieren. Der Bedarf steigt ständig, sagt Nathalie Richer, die für Diana Food im Bereich Gesundheit und Ernährung arbeitet. Sie ist als Produktmanagerin unter anderem für die Acerola-Produkte verantwortlich. Seit 20 Jahren bietet Symrise diese Produkte bereits an. In den vergangenen Jahren hat das Geschäft einen großen Schub erfahren. „Die Kunden möchten verstärkt Produkte aus der Natur“, erläutert Richer. „Bei Vitamin-Nahrungsergänzungsmitteln ist das sehr sinnvoll, weil die natürlichen Vitamine viel besser verstoffwechselt werden als die synthetischen. Deswegen wirken sie besser.“ Neben Tabletten wird das Pulver auch in Getränken oder funktionellen Lebensmitteln eingesetzt, die das Wohlbefinden steigern sollen.

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Die Acerola hat 50 Mal so viel Vitamin C wie eine Zitrone.

Um die besten Rohstoffe zu bekommen, engagiert sich Diana Food schon seit Jahren in den Anbauländern. In Brasilien arbeitet das Unternehmen mit mehreren Zulieferern in der Region zusammen, um die Verfügbarkeit und die beste Güte der Früchte zu sichern. Die Firmen wiederum kaufen die Acerola-Kirschen von einer ganzen Reihe von Farmern, die im Amazonas-Gebiet zu Hause sind. „Wir helfen dabei, die Anbau- und Erntemethoden zu verbessern, um eine höhere Qualität zu erreichen“, sagt Nathalie Richer. Dafür tauschen sich die Agronomisten der Zulieferer und von Diana Food aus. „Sie haben zum Beispiel festgelegt, dass die Bauern die Früchte ernten sollen, wenn sie kurz vor der Reife stehen. Denn dann ist der Vitamingehalt am größten.“ In den Körben landen so die noch grünen Acerola-Kirschen. Das sorgte zunächst für ungläubige Blicke. Aber: Schnell realisierten auch die Farmer, dass ihre Produkte für genau diesen Verwendungszweck unreif geerntet werden müssen – und dass sie so den Wert ihrer Ernten und damit ihre Einnahmen steigern konnten.

Im Laufe der Jahre hat der Bio-Trend die Landwirtschaft in der Gegend verändert. „Mittlerweile stammt mehr als ein Zehntel unseres Acerola-Einkaufs aus Bio-Landwirtschaft, mit stark steigender Tendenz“, erklärt Nathalie Richer. Das Acerola-Pulver, das Diana Food schließlich auf den Markt bringt, hat einen Vitamin C-Anteil von 17 %. Ein weiteres, das eine doppelt so große Menge des Inhaltstoffes enthält, kommt aus konventioneller Landwirtschaft. Es wird vor allem für die Konservierung von Nahrungsmitteln wie prozessierten Fleischprodukten verwendet. Als starkes Antioxidant ist es gut dafür geeignet.

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Nathalie Richer arbeitet als Produktmanagerin für Diana Food im Bereich Gesundheit und Ernährung.
Wir helfen dabei, die Anbau- und Erntemethoden zu verbessern, um eine höhere Quali­tät zu erreichen.
Nathalie Richer
Produktmanagerin bei Diana Food

Mehr als bio

Nun, im September 2020, hat Diana Food ein neues Acerola-Pulver auf den Markt gebracht. Dieses geht noch einen Schritt weiter. „Wir haben als erstes Unternehmen weltweit ein Fair Trade-Acerolapulver entwickelt“, erzählt Marie Le Henaff, Global Sustainability Managerin bei Symrise Nutrition. Ein Kunde hatte das Konzept, das auch eine Clean-Label- und Bio-Zertifizierung umfasst, gezielt beauftragt. „Nun soll es auf weitere Abnehmer vor allem in Europa ausgeweitet werden“, sagt die Nachhaltigkeitsmanagerin des Unternehmens. Die Zertifizierung, die durch das strenge „Fair for Life“-Siegel bestätigt wird, erfordert ganz unterschiedliche Maßnahmen und wird von externen Experten geprüft. Die Prüfung umfasst zum Beispiel die Qualität, die Rückverfolgbarkeit und die Lebensmittelsicherheit. Darüber hinaus spielen soziale und ökologische Aspekte sowie ein langfristiges Engagement für die Lieferanten eine Rolle.

„Für den Anfang haben wir uns dafür einen Partner unter unseren Zulieferern gesucht, der sowieso schon Bio produziert hat“, führt Marie Le Henaff weiter aus. Der positive Einfluss auf die Umwelt war wichtig, nun soll die soziale Komponente hinzukommen. „Die neue Zertifizierung, die wir im Mai 2020 gestartet haben, erfüllt für uns gleich mehrere Zwecke: Wir können für die Menschen in der Region wirklich einen Unterschied machen, gleichzeitig unser Produktportfolio diversifizieren und die Nachfrage für Fair Trade-Produkte bedienen“, erklärt Marie Le Henaff. So wirken Nachhaltigkeit und wirtschaftlicher Erfolg zusammen.


Engagement mit Planungssicherheit

Aber einfach sei das nicht, macht Marie Le Henaff klar. Um das „Fair-for-Life“-Zertifikat zu bekommen, das jährlich direkt bei den Landwirten überprüft wird, müssen Unternehmen es ernst meinen und sich die gesamte Wertschöpfungskette vornehmen, von den Farmern über die Fabrik bis zum Kunden. Ein wichtiger Bestandteil ist dabei, dass die Zulieferer den Bauern für die Fair Trade-Rohstoffe mindestens 10 % mehr bezahlen als für konventionelle Erzeugnisse. Das ist gesichert für drei Jahre, damit beide Seiten auch dauerhaft damit rechnen können – egal, wie sich der Markt entwickelt. 

„Nur wenn sie wissen, dass wir über einen langen Zeitraum mit ihnen zusammenarbeiten, können die Landwirte ihre Produktion umstellen“, sagt auch Marie Le Henaff. Aber, das Geld fließt nicht einfach in die Taschen der Landwirte, sondern soll auch genutzt werden, um die Prozesse zu verbessern. „Unser Zulieferer hat dafür ein Komitee mit den Landwirten gegründet, in dem gemeinsam über neue landwirtschaftliche Praktiken beraten wird.“ Dabei geht es zum Beispiel um Wassermanagement oder Anbautechniken. Ein anderer Teil des Engagements betrifft die Themen, die oft nicht direkt etwas mit der Landwirtschaft zu tun haben – von der Gesundheitsvorsorge über die Bildung bis zur Chancengleichheit. „Aber uns ist auch immer die Unabhängigkeit der Bauern wichtig“, sagt Marie Le Henaff. „Sie können mit uns zusammenarbeiten, müssen es aber nicht.“

Nur wenn sie wissen, dass wir über einen langen Zeitraum mit ihnen zusammenarbeiten, können die Landwirte ihre Produktion umstellen.
Marie Le Henaff
Global Sustainability Managerin bei Symrise Nutrition
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Wenn die Erntearbeiter die Früchte gepflückt haben, müssen sie schnell weiterverarbeitet werden, damit sie nicht verderben.

Zertifizierung unter erschwerten Bedingungen

Der Zertifizierungsprozess fand in der ersten Phase der Corona-Pandemie statt. „Das war nicht einfach, weil die Mitarbeiter von ,Fair For Life’ ja auch nicht reisen durften“, erinnert sich Marie Le Henaff. „Wir wollten die Zertifizierung aber unbedingt umsetzen.“ Deshalb wurden die ersten Audits zunächst online gemacht. Anschließend, als die Fallzahlen und damit auch die Restriktionen zurückgingen, konnten die Auditoren zu den Bauern fahren. Und die erste Zwischenbilanz fällt positiv aus. „Für uns ist das ein Pilotprojekt, das wir in die Breite tragen wollen“, sagt Nathalie Richer. „Wir können gemeinsam mit unseren Zulieferern sehr viel erreichen.“ Die Fair Trade-Komponente habe Zukunft, erklärt die Produktmanagerin. „Wir schätzen, dass in den kommenden Jahren 5 % des Marktes dafür in Frage kommen.“

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Die Acerola-Früchte werden grün geerntet, weil dann der Vitamin-C-Gehalt höher ist.
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Was ist Acerola?

Die Früchte des Acerola-Baums sehen auf den ersten Blick aus wie Kirschen. Sie können rot, purpurfarben oder gelb sein und reifen mehrfach pro Jahr in tropischen oder subtropischen Regionen, vor allem in Nord- und Südamerika. Die Frucht hat einen sehr kurzen Zyklus von nur 25 Tagen, was gut für die Ausbeute bei der Ernte ist. Aber: Sie hält sich wegen ihrer dünnen Haut und schnellen Reife gleichzeitig auch nicht allzu lange. Deswegen muss sie schnell verarbeitet werden. In den meisten Fällen wird sie zu Saft gepresst, der dann oft per Gefrier- oder Sprühtrocknung zu Pulver verarbeitet wird.

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